Südumfahrung Pirna: Ingenieurbauwerke für eine spürbare Entlastung
Die B 172 verbindet die A17 entlang der Elbe mit der tschechischen Grenze in Schmilka. Bisher führte sie durch die Pirnaer Innenstadt und erreichte durch touristischen, grenzüberschreitenden sowie innerstädtischen Verkehr dauerhaft ihre Kapazitätsgrenzen. Rückstaus, Lärm und Abgase prägten die Situation insbesondere auf dem ansteigenden Streckenabschnitt im Stadtgebiet. Die seit 2017 im Bau befindliche Südumfahrung Pirna soll diese Belastungen künftig deutlich reduzieren.
Ingenieurbauwerke für die neue B 172n
Die 3,8 Kilometer lange Südumfahrung Pirna befindet sich seit 2017 im Bau und soll Ende 2026 in Betrieb gehen. IPROconsult wurde 2019 von Hentschke-Bau mit der Ausführungsplanung wesentlicher Ingenieurbauwerke beauftragt. Für die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH plante das Team Brücken, Lärmschutzwände, Wellstahldurchlässe und Schutzeinrichtungen für Fledermäuse.

Kreuzen ohne Kreuzung
Im Westen zweigt die B 172n über ein kreuzungsfreies Straßendreieck von der B 172a ab. Eine große Kehrschleife unterquert die Bundesstraße dabei in einem Brückenbauwerk.
IPROconsult plante dieses Bauwerk in einer großflächigen geböschten Baugrube. Ergänzend entstanden Durchlässe für einen Wirtschaftsweg und eine Fledermauspassage.

Lärmschutzwände mit Wellenprofil
Besondere planerische Aufmerksamkeit erforderten die beiden Lärmschutzwände vor der östlichen Tunneleinfahrt. Die Gestaltungsvorgaben sahen horizontale Wellen im Absorptionsbeton vor.
Da die Lärmschutzwände abgetreppt angeordnet sind, benötigte jedes Element einen eigenen Schalplan. Das achtköpfige Planungsteam koordinierte die konstruktiven und gestalterischen Anforderungen in der Ausführungsplanung.

Fledermausschutz als konstruktive Aufgabe
Auch die Fledermauszäune entlang der Neubaustrecke stellten hohe Anforderungen an die Planung. Die vier Meter hohen und engmaschigen Zäune müssen bei möglicher Vereisung für Windlasten bemessen werden, die einer geschlossenen Wand entsprechen. Neben der Tragwerksplanung waren die Höhen- und Abstandsplanung entscheidend, um die Anforderungen des Straßenbaus mit dem Schutz von Fledermausflugrouten zu verbinden.
Die Ausführungsplanung erfolgte klassisch in 2D. Nach Einschätzung von Projektleiterin Judith Zavesky ist die BIM-Methode bei öffentlichen Infrastrukturprojekten bislang noch nicht üblich.

Entlastung für Pirna ab Ende 2026
Mit der Fertigstellung des restlichen Streckenabschnitts einschließlich Tunnel und großer Talbrücke über die Gottleuba sollen Ende 2026 die ersten Fahrzeuge über die neue Trasse fahren. Die Südumfahrung soll die Pirnaer Stadtstrecke damit deutlich entlasten.
