Wohnungsbau auf schwierigem Terrain
In der Dresdner Albertstadt ist auf einer Fläche von 7,5 Hektar ein neues Wohnquartier mit rund 400 Wohnungen entstanden. Das Areal war zuvor militärisch genutzt und wurde von der Stadt Dresden als Maßnahme der Innenentwicklung ausgewiesen. Nach dem Abriss der ehemaligen Kasernen und der Rodung der stark bewachsenen Flächen begann die schrittweise Transformation zu einem Wohn- und Mischgebiet.
Von der Kaserne zum Wohnviertel
Das Baugebiet liegt nördlich der Dresdner Innenstadt auf dem Gelände einer ehemaligen russischen Kaserne. Nachdem die Gebäude abgetragen und die stark verwilderten Flächen gerodet wurden, stellte die Stadt Dresden das Areal als Maßnahme zur Innenentwicklung für eine künftige Wohnnutzung bereit.
Bereits 2015/16 entwickelte IPROconsult eine umfassende Erschließungskonzeption. Ab 2018 folgten konkrete Planungsleistungen für:
- Verkehrsanlagen und Ingenieurbauwerke
- Trink-, Schmutz- und Regenwasserleitungen
- Versorgungsmedien für Strom, Wärme und Daten
- eine zentrale Regenwasserversickerungsanlage
Vor dem eigentlichen Baubeginn waren umfangreiche Vorbereitungen notwendig. Auf dem Gelände wurden Kampfmittel wie Hand- und Panzergranaten gefunden und fachgerecht geräumt. Zudem traten zahlreiche Gewölbekeller, alte Leitungen und weitere bauliche Hinterlassenschaften zutage, die vollständig entfernt werden mussten, um den Baugrund nutzbar zu machen.

Erschließungsplanung unter innerstädtischen Bedingungen
IPROconsult übernahm die Planung der gesamten öffentlichen und privaten Erschließung. Dazu gehörten die Verkehrsanlagen und Ingenieurbauwerke ebenso wie die Versorgungsmedien für Trinkwasser, Fernwärme, Elektroenergie und Daten sowie die Schmutz- und Regenwasserleitungen.
Das Wohngebiet ist in sieben Baufelder mit begrünten Tiefgaragen gegliedert. Die Mehrfamilienhäuser mit rund 400 Wohnungen wurden abschnittsweise errichtet, während parallel die Erschließungsarbeiten stattfanden. Die enge Verzahnung von Hoch- und Tiefbau stellte hohe logistische Anforderungen: Leitungen konnten oft erst verlegt werden, nachdem die Rohbauten der Häuser standen, anschließend mussten die Oberflächen wiederhergestellt werden.
Hinzu kam die Notwendigkeit, eine neu gebaute Straße im östlichen Bereich dauerhaft freizuhalten, um die Zufahrt für die benachbarte Landesdirektion sowie zwei Schulen sicherzustellen.


Stützwand als prägendes Ingenieurbauwerk
Eine zentrale bauliche Maßnahme war die Errichtung einer 226 Meter langen Stützwand entlang der heutigen O.-F.-Weidling-Straße. Sie gleicht Höhendifferenzen von bis zu fünf Metern zwischen dem Baugebiet und der höherliegenden Anliegerstraße aus und bildet den nördlichen Abschluss des Areals.
Die Stützwand wurde auf Bohrpfählen gegründet und mit einer Schalungsmatrize in Sandsteinoptik betoniert. Zur Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurden Musterflächen hergestellt. Durch die natürliche graue Farbgebung und die strukturierte Oberfläche fügt sich das Bauwerk harmonisch in die historische wie auch die neue Bebauung ein.
Die Bauüberwachung erfolgte abschnittsweise, inklusive Bewehrungsabnahmen und der abschließenden Zustandsfeststellung im Mai 2023.

Technisch anspruchsvolle Medien- und Entwässerungslösungen
Besondere Anforderungen stellte die Anbindung an das bestehende Schmutzwassernetz in der westlich gelegenen Marienallee dar. Die dortige Leitung musste während der Arbeiten dauerhaft in Betrieb bleiben. Die Lösung bestand darin, die Leitung halbseitig zu öffnen, einen Stülpschacht aufzusetzen und diesen dauerhaft abzudichten – eine technisch anspruchsvolle, aber effiziente Lösung.

Das Regenwasser von Dach- und Straßenflächen versickert über eine zentrale Rigolenanlage mit Trennbauwerk und Regenklärbecken. Diese Anlage befindet sich unter einer öffentlichen Grünfläche im Süden des Quartiers, die als Spiel- und Bolzplatz genutzt wird. Aufgrund der sensiblen Grundwasserverhältnisse bestanden Stadtentwässerung und Wasserschutzbehörde auf erhöhtem Schutz und einer Zwischenabnahme. Bei der Herstellung der Sohle kamen Langstielbagger zum Einsatz, um ausreichend Abstand zur Versickerungsanlage zu gewährleisten.
Ein Fußweg verbindet die Grünanlage mit der tieferliegenden Stauffenbergallee. Er wurde mit einer Winkelstützmauer gesichert und zusätzlich mit einer Wegesperre ausgestattet, um ein ungebremstes Einfahren von Radfahrern auf den darunterliegenden Radweg zu verhindern.

Ein neues Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität
Trotz der komplexen Ausgangslage und der zahlreichen technischen Herausforderungen ist ein attraktives Wohngebiet entstanden. Heute leben mehrere hundert Menschen in dem neuen Quartier, das durch seine Lage, die durchdachte Erschließung und die Integration von Grünflächen überzeugt.
„Trotz aller Herausforderungen entstand ein schönes Gebiet, in dem heute viele Menschen leben und ihre Freizeit genießen können“, resümiert Bauoberleiter Stephan Mickan.

