Straßenbahnbetriebshof Adlershof: 50.000 Quadratmeter komplett im BIM-Modell geplant
Im Herzen des Berliner Stadtteils Adlershof entsteht auf einer rund sieben Fußballfelder großen Fläche der neue Straßenbahnbetriebshof Adlershof. Das Areal liegt zwischen den Gleisen der DB Netz und der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Wo früher ein Kohlebahnhof betrieben wurde, werden künftig die neuen 60-Meter-Straßenbahnzüge der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) abgestellt, gewartet und repariert.
Vom Kohlebahnhof zum Straßenbahnbetriebshof
Die Altlasten des früheren Standorts sind bereits beseitigt. Derzeit wird das Gelände vorbereitet: Eine 10-kV-Trasse wird verlegt, Bäume werden gerodet, und die Fläche wird auf etwa 45.000 Quadratmetern um mehr als einen Meter angehoben. Ziel ist es, eine sichere Versickerung des Oberflächenwassers zu gewährleisten. Bis 2030 soll der Betriebshof vollständig in Betrieb gehen.
Da es sich um eine eisenbahnbetriebliche Anlage handelt, mussten bei der Planung die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung berücksichtigt sowie ein Planfeststellungsverfahren durchlaufen werden. Dieses legte die gestalterischen Rahmenbedingungen für das gesamte Gelände fest – unter anderem für Gleislayout und Gebäudekubaturen.

Alles in 3D: Planung nach der BIM-Methode
Bei diesem Projekt setzt IPROconsult gemeinsam mit ARCUS Planung + Beratung auf die konsequente Anwendung der Methode des Building Information Modelings (BIM). Es ist das erste Mal, dass für die BVG ein Betriebshof dieser Größenordnung vollständig vom Tiefbau über die Ingenieurbauwerke bis zu Hochbau und Freianlagen in einem integrierten 3D-Modell geplant wird.
Alle Bauteile und Infrastrukturen, wie Leitungen, Rohre, Straßen, Schienen, Gebäude und technische Anlagen, wurden virtuell erfasst und miteinander verknüpft. Dadurch konnten sämtliche Planungen kollisionsfrei koordiniert werden.
Ein Beispiel für die Vorteile: Bei Medientrassen werden Start- und Zielpunkte definiert. Wird ein Gebäude im Modell verschoben, passen sich die Leitungsführungen automatisch an. Mögliche Kollisionen werden sofort sichtbar. Umplanungen lassen sich dadurch deutlich effizienter und transparenter durchführen als in herkömmlichen 2D-Planungen.

Komplexe Koordination in einer ARGE
IPROconsult arbeitet bei diesem Großprojekt in einer ARGE mit ARCUS Planung + Beratung Bauplanungsgesellschaft. Die Herausforderung liegt nicht nur in der Dimension des Vorhabens, sondern auch in der Koordination von 19 Gewerken, sieben Projektpartner-Büros sowie vier extern beauftragten Planungsbüros des Auftraggebers.
IPROconsult verantwortet unter anderem die Ingenieurbauwerke sowie die infrastrukturelle Erschließung des Areals. Auch die Planung der großen Werkstatthalle wurde maßgeblich mitgestaltet. Grundlage waren Skizzen, die über Jahre von der BVG entwickelt worden waren. Diese mussten normgerecht, standsicher und funktional in eine ausführungsreife Planung überführt werden – abgestimmt auf die benachbarten Gebäude und die betrieblichen Anforderungen.

Wirtschaftliche Lösungen für nachhaltige Infrastruktur
Neben der technischen Komplexität spielte auch der Kostenrahmen eine zentrale Rolle. So waren ursprünglich Fertigteilgruben vorgesehen, deren Umsetzung jedoch logistisch und planerisch mit hohem Aufwand verbunden gewesen wäre.
Die ARGE entwickelte eine alternative Lösung in Ortbetonbauweise, die wirtschaftlich deutlich effizienter ist. Das Ergebnis ist eine moderne Werkstatthalle mit:
- Werkstätten und Lagerflächen im Erdgeschoss
- Sozialräumen und Verwaltungsbereichen im Obergeschoss
- Ruheräumen und einem Sportraum für die Mitarbeitenden
Damit entsteht nicht nur eine funktionale Infrastruktur, sondern auch ein attraktiver Arbeitsplatz.

Gleisschleife als Voraussetzung für den Bau
Bevor der eigentliche Hochbau beginnt, muss zunächst die nordwestlich gelegene Gleisschleife der BVG saniert werden. Von hier aus zweigen die Gleise in Richtung des neuen Betriebshofs ab.
Zum Gesamtprojekt gehören neben der zentralen Werkstatthalle:
- Abstellflächen für Schienenfahrzeuge
- ein Gebäude für die Einsatzleitung mit Weichensteuerung
- ein Pförtnerhaus
- ein Nebengebäude mit Gleichrichterwerk
Ab Sommer 2026 wird das rund 400 Meter lange Baufeld zur Großbaustelle. Die beengten Verhältnisse zwischen DB-Strecke auf der einen und Industrie- sowie Filmproduktionshallen auf der anderen Seite erfordern präzise Bauabläufe und eine enge Abstimmung aller Beteiligten.
Sind die kilometerlangen Zu- und Ableitungen für Schmutz-, Trink- und Löschwasser, die Elektronetze und Steuerleitungen verlegt, folgen Straßen-, Gleis- und Hochbau.

Pilotprojekt mit Signalwirkung
Der neue Straßenbahnbetriebshof Adlershof ist für die BVG ein Pilotprojekt in der durchgängigen BIM-Planung. Für IPROconsult bedeutet es die konsequente Anwendung integraler, digitaler Planungsprozesse im Infrastruktur- und Verkehrswegebau.
Mit der modellbasierten, gewerkeübergreifenden Planung entsteht eine belastbare Datengrundlage für Bau, Betrieb und zukünftige Anpassungen – ein entscheidender Schritt in Richtung nachhaltiger und zukunftsfähiger Verkehrsinfrastruktur.

