Innovation im Zusammenspiel: IPROconsult trifft SpinLab
IPROconsult ist seit November 2025 Partner des SpinLab – The HHL Accelerator. Im Gespräch mit Eric Weber, Startup-Experte und langjähriger Impulsgeber im Umfeld des SpinLab, erläutert Jörn Jacobs – Geschäftsführer des Startups regryd sowie des IPROconsult Geschäftsbereichs Umwelt, Energie- und Fabrikanlagen – warum der Austausch mit jungen Unternehmen an Bedeutung gewinnt und welche Innovationsthemen die Branche künftig prägen werden.

Lieber Jörn, bitte stelle dich und die IPROconsult kurz vor.
Ich bin Geschäftsführer der IPROconsult und seit vielen Jahren in der Planung komplexer Industrie- und Infrastrukturprojekte tätig. Die IPROconsult ist ein interdisziplinäres Generalplanungs- und Ingenieurunternehmen mit über 400 Mitarbeitern an 12 Standorten. Wir planen seit mehr als 75 Jahren komplexe Bau- und Infrastrukturprojekte – von Architektur und Hochbau über technische Infrastruktur bis hin zu Energie- und Industrieanlagen. Also nicht einzelne Gewerke, sondern das ganze Projekt aus einer Hand. Mich persönlich treibt die Frage um, wie wir die großen Transformationsaufgaben – Energie, Industrie, Klima – nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten.
Was hat IPROconsult dazu bewogen, Partner im SpinLab zu werden?
Die Partnerschaft mit dem SpinLab ist für mich nicht nur strategisch, sondern auch persönlich motiviert. Ich war selbst ein halbes Jahr mit unserem Wärmespeicher-Startup regryd Teilnehmer der 18. Klasse im SpinLab. In dieser Zeit habe ich erlebt, wie wertvoll der Austausch zwischen Startups, Investoren und etablierten Unternehmen ist. Man bekommt einen anderen Blick auf Geschwindigkeit, Produktentwicklung und Skalierung. Seit November 2025 sind wir deshalb Partner im SpinLab – weil wir Innovation nicht von außen beobachten, sondern aktiv mitgestalten wollen. Wir möchten frühzeitig Zugang zu neuen Lösungen bekommen und gleichzeitig unsere Projekterfahrung aus über 75 Jahren Planungsarbeit einbringen.
Welche Themen werden die Branche in den kommenden Jahren prägen?
Aus meiner Sicht sind es vor allem drei große Bewegungen:
Erstens die Dekarbonisierung von Industrie und Energieversorgung. Speicher, Sektorenkopplung, neue Wärmekonzepte – hier entstehen ganz neue Märkte. Und die regulatorischen Treiber sind massiv: Gebäudeenergiegesetz, EU-Taxonomie, ESG-Pflichten. Das ist kein Trend, das ist ein struktureller Umbau.
Zweitens die Komplexität der Aufgaben. Das einzelne Gebäude weicht dem Quartier. Auftraggeber suchen zunehmend Partner, die nicht ein Gewerk bedienen, sondern Projekte als Ganzes verantworten – vom städtebaulichen Konzept über die Infrastruktur bis zur Energieversorgung.
Drittens Digitalisierung und KI in Planung und Betrieb. Planungsprozesse, Genehmigungen, Monitoring – hier gibt es enorme Effizienzpotenziale. Gleichzeitig ist der Fachkräftemangel so gravierend, dass Digitalisierung nicht mehr optional ist – sie muss fehlendes Personal kompensieren.
Was bedeutet das konkret für IPROconsult? Wo sucht ihr Innovationen?
Wir suchen keine Innovation um der Innovation willen. Wir suchen Lösungen für konkrete Engpässe in unserer Projektarbeit. Zum Beispiel: Wie steuern wir Planungsqualität konsistent über 12 Standorte? Wie machen wir CO₂-Bilanzen für komplexe Industriestandorte planbar? Wie verknüpfen wir Städtebau, Infrastruktur und Energieversorgung in einem integrierten Quartiersentwicklungsprojekt?
Besonders relevant sind für uns Energiespeichertechnologien, industrielle Dekarbonisierung, digitale Planungs- und Monitoringtools und Automatisierung in Bau und Fabrikplanung. Wir haben selbst eigene digitale Werkzeuge entwickelt – von BIM-Integration bis zu Steuerungstools für Projektqualität. Die Erfahrung zeigt: Was den Markt wirklich verändert, sind nicht Technologien allein, sondern ihre Integration in reale Planungsprozesse. Genau das ist unsere Stärke als Generalplaner.
Was hast du persönlich aus deiner Startup-Erfahrung gelernt?
Die Zeit im SpinLab mit regryd war für mich extrem prägend. Ich habe gelernt, radikal zu priorisieren. Als Geschäftsführer eines Unternehmens mit 400 Mitarbeitern denkst du in Strukturen und Absicherung. Als Startup-Gründer lernst du, mit weniger Daten und weniger Absicherung schneller Entscheidungen zu treffen – und trotzdem richtig zu liegen.
Und ich habe noch einmal sehr deutlich gespürt, wie schwierig es ist, Hardware-Innovation in regulierte Infrastrukturmärkte zu bringen. Das ist kein Sprint. Das erfordert technische Reife, regulatorisches Verständnis und Durchhaltevermögen. Diese Erfahrung beeinflusst, wie ich heute Innovationsthemen bei der IPROconsult vorantreibe: weniger Rhetorik, mehr konkrete Pilotprojekte.
Wo liegen die größten Herausforderungen für ein Startup wie regryd?
Infrastruktur ist kapitalintensiv und vertrauensbasiert. Ein Startup muss technische Reife beweisen, regulatorische Anforderungen erfüllen, belastbare Referenzprojekte aufbauen – und gleichzeitig die nächste Finanzierungsrunde sichern. Das sind parallele Aufgaben, die sich gegenseitig bedingen.
Die größte Hürde ist oft der Faktor Zeit. Kommunale und industrielle Auftraggeber entscheiden langsam. Ein Startup kann sich diese Wartezeit kaum leisten. Deshalb ist die Anbindung an ein etabliertes Unternehmen wie die IPROconsult so wertvoll – wir bringen Marktzugang, Projektverständnis und Glaubwürdigkeit gegenüber Auftraggebern mit.
Du kennst beide Seiten. Was müssen beide Seiten beachten, um erfolgreiche Projekte umzusetzen?
Etablierte Unternehmen müssen echte Experimentierräume schaffen. Das heißt: einen klaren Ansprechpartner mit Entscheidungskompetenz, ein definiertes Pilotprojekt und die Bereitschaft, Ergebnisse auch dann ernst zu nehmen, wenn sie nicht sofort in die eigenen Prozesse passen.
Startups müssen verstehen, dass Qualität, Normen und Haftung keine Innovationsbremse sind, sondern Voraussetzung für Skalierung im Infrastrukturbereich. Wer das nicht akzeptiert, baut am Markt vorbei.
Und beide Seiten müssen den Mehrwert der anderen Seite anerkennen. Das Corporate bietet Marktzugang, Referenzen und Branchenexpertise. Das Startup bietet Geschwindigkeit, frische Perspektiven und Technologie. Beides ist gleich viel wert.




