Ausgezeichneter Entwurf für Berliner Forschungsgebäude

Bei dem offenen städtebaulichen Ideenwettbewerb „Neubau Forschungs- und Laborgebäude Optobiologie der Humboldt-Universität zu Berlin und Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.“ hat sich das Preisgericht für zwei Zweite Preise entschieden. Die beiden Preisträger IPROconsult GmbH sowie die Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH erhalten mit dem Wettbewerbsergebnis eine Grundlage für die weitere Bearbeitung der Planung.

Aufgabe des Ideenwettbewerbes war es ein städtebaulich und gebäudeplanerisches Entwurfskonzeptes für den Neubau des Forschungs- und Laborgebäude „Optobiologie“ der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Laborgebäude im Bereich der Biomedizin „Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene“ der Max-Planck-Gesellschaft der Wissenschaften e.V. zu entwickeln. 

Die für eine Bebauung zur Verfügung stehenden Grundstücksflächen befinden sich am Rand des Areals vom Campus Nord der Humboldt-Universität zu Berlin, auf dem sich zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude befinden. Der gesamte Bereich steht unter Ensembleschutz. Mit einem gestalterisch anspruchsvollen städtebaulichen Entwurf, dessen Baukörper- und Fassadengestaltung sich in die Umgebung sensibel einfügt, sollen denkmalpflegerischen Belangen hinsichtlich der Verträglichkeit des Umfangs der zusätzlich geplanten Gebäudemasse überzeugend Rechnung getragen werden.

Städtebauliche Situation – Campuspark im Berliner Blockrand

Die städtebauliche Besonderheit des Campus Nord der Humboldtuniversität Berlin liegt in seiner Verortung als „Hortus Conclusus“ im Zentrum einer Berliner Blockrandstruktur. Der breitkrempige, tiefe Blockrand bildet eine steinerne, urbane Kruste mit vielfältigen Nutzungen wie Theater, Galerien, Wohnen um einem offenen Landschaftspark – den Campus. Park und Blockrand verhalten sich wie Raum und Wandung. Nur an einzelnen Stellen hat man die Möglichkeit durch die „urbane Kruste“ des Stadtblockes hindurch zu laufen – in die grüne Mitte des Campus-Parkes. Die historischen Campusbauten bilden – wie ein räumlicher Filte – eine Zwischenschicht zur Parkmitte hin.

Die lockere richtungslose Setzung der historischen Bauten in dieser Schicht vermittelt zwischen dichtem Blockrand und offenem Landschaftspark, indem ein Geflecht aus polygonalen Freiräumen und Höfen gebildet wird – gleich einem „Gängeviertel“. Dieser morphologische Charakter von weitenden und verjüngenden Raumfolgen wird im südlichen Teil des Campus spürbar, ist allerdings durch den winkelförmigen Bestandsbau gestört, so dass der Teil des Campus, in dem auch die Panke fließt vom Campus abgeschnitten wird und undefiniert erscheint. In diesem Bereich ist das Wettbewerbsgebiet für die zwei neu zu konzipierenden Laborbauten verortet.

Städtebauliches Konzept – räumliche Verflechtung 

Um die beschriebene städtebauliche Struktur von Kruste (Blockrand) – Filter (Campusgebäude HUB) – Park und damit den Charakter des Campus und Ortes zu stärken und erfahrbar zu machen verfolgt der Entwurf eine Strategie der räumlichen Verflechtung und texturellen Verknüpfung. Die zwei neuen Baukörper spinnen die Charakteristik der polygonalen Raumfolgen weiter und binden den Campus zum äußeren Blockrand städtebaulich an.

Der Baukörper der Optobiologie nimmt zunächst die Fluchten der Bestandsgebäudes des äußeren Blockrandes auf. Über eine polygonale Baukörperausbildung wird nun ein neuer vermittelnder Platz geschaffen, der sich zum Park und zum Blockrand öffnet und Haus 16 mit seiner Bogenarkade freistellt. Damit wird die derzeit vom Campus abgeschnittene Zone der Südpanke über eine kleine Piazza an den Campus angebunden.

Gleichzeitig schafft der Baukörper eine Vermittlung der zwei Erschließungsseiten von Blockrand und von der Parkseite des Campus. Mit dem Baukörper für die Wissenschaft der Pathogene der MPG wird eine deutliche Raumgrenze des Campus nach Außen zum Blockrand definiert. 

„Außerordentlich klar und auf die Umgebungsbebauung angemessen reagierend“

Das Preisgericht beurteilt den Neubau Max-Planck-Gesellschaft mit seiner „leicht konischen Ausgestaltung als langer und in sich nicht differenzierter Riegel als außerordentlich klar und auf die Umgebungsbebauung angemessen reagierend. Es entsteht ein Gebäude, das als Bestandteil des Blockrands eine klare Kante entlang des Pankeufers bildet und so den Raum des HU-Campus an dieser Stelle fasst und abschließt.“